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Ernährung
Ernährung ist die Aufnahme von Nahrungsstoffen, die ein Organismus
zum Aufbau seines Körpers, zur Aufrechterhaltung seiner Lebensfunktionen
und zum Hervorbringen bestimmter Leistungen in verschiedenen Lebenslagen
benötigt. Ernährung ist eine Voraussetzung für die Lebenserhaltung
jedes Lebewesens.
Für den Menschen steuert sie in wesentlichen Zügen sein körperliches
(geistiges, physisches und soziales) Wohlbefinden. Der bewusste Umgang
mit Nahrung und Trinken ist eine Dimension der menschlichen Kultur und
aller Religionen (siehe auch Ernährungssoziologie). Unter menschlicher
Ernährung versteht man die Versorgung von Menschen mit Nahrung
in Form von Nahrungsmitteln und Genussmitteln. Die Aufnahme der Nahrungsmittel
geschieht durch perorale Zufuhr dem Leben dienlicher Stoffe in Form
von Speisen und Getränken.
Der menschlichen Ernährung dienen rohe, gekochte oder anders zubereitete,
frische oder konservierte Nahrungsmittel (siehe auch Ökotrophologie).
Fehlfunktionen der Nahrungsaufnahme werden als Ernährungsstörungen
bezeichnet.
Ernährungsformen
In erster Linie ist das, was der Mensch isst, wie er es zubereitet
(Kochkunst) und zu sich nimmt (Esskultur) sowie auch das, was er nicht
isst (Nahrungstabu), von seinem Lebensraum und seiner Kultur abhängig,
und damit starken regionalen Unterschieden unterworfen. Trotz der teils
extremen Unterschiede der traditionellen Regionalküchen wird der
Bedarf an Nährstoffen in der Regel gedeckt. Eine einzige "richtige"
Ernährungsform kann es folglich nicht geben.
Da sich aber vor allem in den Industrieländern die Ernährungsweise
von den traditionellen Formen wegentwickelt und sich durch die Zunahme
sitzender Tätigkeiten der Lebensstil und damit der Kalorien- und
Nährstoffbedarf insgesamt verändert, gibt es heutzutage bei
vielen Menschen ein Missverhältnis zwischen Nährstoffbedarf
und Ernährungsweise. Deshalb wird die Frage nach der "richtigen"
Ernährung in Abhängigkeit von der Lebensweise durch die Diätetik
wissenschaftlich erforscht.
Insbesondere die Zunahme an Zivilisationskrankheiten wird neben anderen
Einflüssen einer modernen Fehlernährung zugeschrieben. Dies
hat dazu geführt, dass es mittlerweile eine unüberschaubare
Vielzahl von Ansichten, Theorien und Lehren über die "richtige"
Ernährung gibt, beispielsweise die Theorien von der Vollwerternährung,
die Rohkost-Lehre, die Ernährung nach den 5 Elementen aus der Traditionellen
Chinesischen Medizin, die Ayurveda-Lehre, die Makrobiotik (Ernährungswissenschaft
aus der Perspektive von Yin und Yang), die Trennkost-Lehre, die Steinzeiternährung
und viele mehr. Die Antworten auf die Frage nach einer "richtigen"
Ernährung sind oft weltanschaulich beeinflusst.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat Ernährungsregeln
formuliert, die als Vollwertige Ernährung bezeichnet werden.
Zunehmend verbreitet auch die Ernährungs-, Pharma- und Nahrungsergänzungsmittel-Industrie
Broschüren und Internet-Informationen zu Ernährungsfragen.
Ernährung in der menschlichen Evolution
Bei der größten Gruppe der vormenschlichen Hominiden - den
Australopithecinen - geht man von einer überwiegend pflanzlichen
Kost aus, da diese Gattung noch nicht über das nötige manuelle
Geschick zur Fleischzubereitung verfügte (z. B. Häuten/Zerteilen
eines Tierkadavers). In der Übergangsgruppe zur Gattung Homo, dem
Homo habilis, entwickelten Vertreter dieser Hominiden-Art dann dieses
Geschick. So konnten die sogenannten Habilinen Teile aus einem Kadaver
wie etwa das nahrhafte Knochenmark verwerten.
In der Weiterentwicklung zum Homo erectus nahm das Hirnvolumen des
Menschen immer weiter zu. Viele Wissenschaftler gehen von dem erhöhten
Stellenwert tierischer Proteine in dieser Phase aus. Allerdings muss
dabei betont werden, dass die ostafrikanischen Savannen mit ihrer spezifischen
Vegetation dem Menschen keine adäquate Pflanzenkost bieten konnten.
Es überwogen Gräser und harte Wurzeln. Gräser etwa können
vom menschlichen Organismus grundsätzlich nicht verwertet werden.
Harte Wurzelkost konnte nur von der Australopithecinen-Untergruppe Paranthropus
robustus verwertet werden. Dieser sich vegetarisch ernährende Hominide
zeichnete sich durch ein kräftiges Gebiss aus. Da die Vertreter
der Homo-Gattung dagegen nur über ein kleines Gebiss verfügten,
kam dieses Nahrungsangebot nur dann in Frage, wenn es durch Feuer oder
andere Techniken genießbar gemacht werden konnte. Der Homo erectus
erlernte den Umgang mit Feuer und begann es zur Erschließung neuer
Nahrungsquellen zu nutzen.
Spätestens vor 450.000 Jahren gab es in Europa menschliche Jagdaktivitäten,
wie Funde von Waffenresten eindeutig belegen. Es wird ein stetig wachsender
Fleischanteil in der Ernährung vermutet, was in der Fachwelt aber
nicht unwidersprochen ist. Zum einen könnten Knollen und Zwiebeln
doch einen höheren Anteil an der Nahrung des Homo erectus gehabt
haben, zum anderen könnte vor allem das Sammeln und Fangen von
Kleintieren, wie Nager oder Schildkröten, zur Deckung des Nahrungsbedarfs
gedient haben. Womöglich wird die Bedeutung der Jagd also überschätzt.
Grundsätzlich kann nicht von einer einzigen "natürlichen"
Ernährungsweise des Menschen gesprochen werden. Die Vorteile des
Menschen liegen gerade in der Unbestimmtheit seiner Ernährung.
Damit konnte sich der Homo sapiens an jedes Öko-System der Erde
anpassen. Während sich die Evenki in Sibirien, die Inuit und ebenso
die Neandertaler überwiegend fleischlich ernährten, lebten
die Völker in den Anden in erster Linie von pflanzlichen Nahrungsmitteln.
Eine ausreichende Pflanzenkost ist für den menschlichen Organismus
vorteilhaft, da er im Gegensatz zu reinen Fleischfressern, wie Löwen,
Tigern, Wölfen etc., selbsttätig kein Vitamin C synthetisieren
kann. Meist reicht jedoch auch bei einer Ernährung mit vorwiegend
frischem Fleisch und Innereien der Ascorbinsäuregehalt tierischer
Lebensmittel aus, um Skorbut zu verhindern (100 g Schweineleber z. B.
enthalten 23 mg Vitamin C, Schweinehirn 18 mg).
Ernährung in der Medizin
Mit den Besonderheiten der Ernährung bei Krankheit beschäftigt
sich die Ernährungsmedizin. Bei bestimmten Krankheiten werden zusätzlich
zur medikamentösen Therapie Diäten verordnet, um den Krankheitsverlauf
zu begünstigen. In der Medizin unterscheidet man prinzipiell:
* Orale Ernährung: Der Patient kann sich auf natürlichem
Wege, also über den Mund (oral) ernähren. Evtl. muss die Kost
aber verändert, z.B. passiert werden, um ihm das Essen zu erleichtern.
Reicht auch dies nicht aus, kommt vollbilanzierte Trinknahrung zum Einsatz,
sog. "Astronautenkost", die den gesamten Nährstoffbedarf
decken, sofern der Patient eine ausreichende Menge davon trinkt. Bei
schwerer Abwehrschwäche, z.B. nach Chemotherapie darf nur keimarme
Nahrung verzehrt werden, um Infektionen mit Bakterien und Pilzen vorzubeugen.
* Künstliche Ernährung: Der Patient kann nicht mehr auf natürlichem
Wege essen. Er muss deshalb künstlich ernährt werden. Dazu
gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten:
o Enterale Ernährung: Statt der normalen Nahrung wird eine für
die Art der Krankheit geeignete Sondenkost über eine Magen-, Dünndarm-
oder PEG-Sonde in den Verdauungstrakt eingebracht. Wann immer möglich
wird dieser Zugangsweg bevorzugt, da er der natürlichen Nahrungsaufnahme
am nächsten kommt.
o Parenterale Ernährung: Die in Lösung oder Emulsion befindlichen
Nahrungsbestandteile werden als Infusion über einen intravenösen
Zugangsweg direkt ins Blut verabreicht. Die Industrie bietet hierzu
zahlreiche Produkte an, bei denen die Nahrungskomponenten entweder selbst
zusammengestellt werden können (2- oder 3-Flaschen-System) oder
in einer festen Kombination (All-in-one-Lösungen, 3-Kammer-Beutel)
vorliegen.
Enterale und parenterale Ernährung können auch kombiniert
werden. Wird als ausschließliche Ernährungsform eine bedarfsdeckende
parenterale Ernährung eingesetzt, so spricht man von totaler parenteraler
Ernährung.
Probleme bei der Ernährung
Fehl- und Mangelernährung
Entspricht eine Ernährung nicht den Anforderungen des menschlichen
Organismus, so spricht man von Fehl- oder Mangelernährung. Die
Begriffe werden oft uneinheitlich und manchmal synonym verwendet. Meist
bedeutet aber Fehlernährung, dass ein oder mehrere Nahrungsbestandteile
in falscher Menge verzehrt werden, z.B. zu fettreiche oder zu vitaminarme
Kost, während man unter Mangelernährung versteht, dass der
Energie- oder Kalorienbedarf des Organismus nicht gedeckt wird. Kombinationen
beider Störungen kommen vor.
Ursachen von Fehl- und Mangelernährung können Hungersnöte
durch Ernteausfälle, Krieg oder Katastrophen und Krankheiten (z.B.
Essstörungen, Krebs, AIDS, Chronische Bronchitis, Herzinsuffizienz)
sein, sowie in Industrieländern vor allem eine unausgewogene Ernährung
durch mangelndes Wissen über eine gesunde Ernährung und ungünstige
Essgewohnheiten. Hier spielen insbesondere das große Angebot an
hochkalorischer industrieller Fertignahrung bei gleichzeitigem Rückgang
der körperlichen Aktivität und der Wegfall des Essens als
soziales, meist familiengebundenes Ritual eine Rolle.
Ernährungsbedingte (alimentäre) Krankheiten
Fehl- und Mangelernährung können ihrerseits Krankheiten verursachen
oder begünstigen, z. B. Skorbut bei Vitamin-C-Mangel, Beriberi
bei Vitamin-B1-Mangel oder Diabetes mellitus bei starkem Übergewicht/Adipositas.
Für diese und andere Krankheiten, vor allem für die Mangelerkrankungen,
ist der Zusammenhang mit Fehl- oder Mangelernährung wissenschaftlich
bewiesen.
Es gibt jedoch auch eine große Zahl an Krankheiten, insbesondere
die sog. Zivilisationskrankheiten, für die diskutiert wird, ob
sie durch die Ernährungsweise zumindest mitverursacht werden. Einen
wissenschaftlichen Beweis dieser Annahme gibt es aber nur für die
wenigsten Erkrankungen. Generell sind Zusammenhänge zwischen Ernährung
und Krankheit, methodisch bedingt, schwierig zu beweisen. Für die
meisten Zivilisationskrankheiten gibt es höchstwahrscheinlich nicht
nur eine einzige Ursache, sondern eine Kombination von Ursachen, darunter
genetische Anfälligkeit, körperliche Aktivität, Ernährung
und Psyche sowie Umweltgifte.
Artikel Ernährung. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
Bearbeitungsstand: 12. September 2007, 17:06 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ern%C3%A4hrung&oldid=36636181
(Abgerufen: 16. September 2007, 13:29 UTC)
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